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Prinzen


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Rezension von

Martina Meier

Prinzen Als ich das Buch „Prinzen“ zur Rezension bestellte, da wusste ich nicht viel mehr über das Buch, als das, was im Klappentext vermerkt war. Es geht um ein Brüderpaar, Ravel und Indigo, die sich als Zwillinge wie ein Ei dem anderen gleichen und zusammen in einem ziemlich verfallenen Haus leben. Friedvoll – wie es scheint – bis zu dem Tag, als Ravel, der jüngere der beiden Brüder, eine grauenvolle Entdeckung macht. Hier sollte es also spannend werden, dachte ich. Und das wurde es auch. Allerdings auf eine andere Art als ich zunächst gedacht hatte. Irgendwie schwebte mir ein kurzweiliger Krimi vor Augen als ich das Buch das erste Mal zur Hand nahm, doch die Geschichte, die die australische Autorin Sonya Hartnett hier entwickelt hat, geht darüber weit hinaus. Sie schafft es, die Abgründe der menschlichen Seele deutlich zu machen, geht dabei bis zur Perversion. Ist es doch Indigo, der zunächst scheinbar „lebensfähigere“ Zwilling, der den Kontakt zur Außenwelt hält und im Keller fein säuberlich Ratten seziert. Ravel dagegen lebt vollkommen zurückgezogen, verlässt das Haus nicht mehr und vertraut sich ganz seinem Bruder an. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto deutlicher wird, dass mit Indigo etwas nicht stimmt. Seine kranke Seele nimmt ihn immer weiter in Besitz. Er verkennt mehr und mehr die Realitäten und versucht sogar, seinen eigenen Zwillingsbruder zu töten – er gibt ihm schlichtweg Rattengift ins Essen. Die Qualen, die Ravel ausstehen muss, sind fürchterlich. Aber dieser versuchte Mord ist nicht das einzige Tötungsdelikt in diesem Haus. Irgendwann verschwanden die Eltern der Brüder spurlos von der Bildfläche. Was ist aus ihnen geworden? Die Frage, so viel sei verraten, bleibt offen. Aber die Vermutung, dass Indigo auch sie getötet hat, liegt nahe. Das Buch ist beklemmend. Ja. Es zeigt zwei Menschen, die außerhalb der Gesellschaft leben. In einem Umfeld, dass von Zerstörung gekennzeichnet ist: ein verfallenes Haus, Ratten haben sich längst alle Etagen erobert. Damit korrespondiert die kaputte Seele eines der „Prinzen“: Ist er als Zwilling eins, ist er zwei, wo bleibt die eigene Identität bei einem Brüderpaar, dass so eng miteinander lebt? Wie ist es, wenn man stets den Spiegel vorgehalten bekommt, eins und doch nicht eins ist? Das Buch wird lieben, wer selbst an einer zerrissenen Seele leidet. Wer dagegen „seichte“ literarische Kost bevorzugt, sollte die Finger von der Lektüre lassen. Denn eines fehlt dem Buch gänzlich: die positive Figur, mit der man sich als Leser identifizieren kann. Allerdings kann man Mitleid empfinden. Für Ravel, der fast gestorben wäre.

Als ich das Buch „Prinzen“ zur Rezension bestellte, da wusste ich nicht viel mehr über das Buch, als das, was im Klappentext vermerkt war. Es geht um ein Brüderpaar, Ravel und Indigo, die sich als Zwillinge wie ein Ei dem anderen gleichen und zusammen in einem ziemlich verfallenen Haus leben. Friedvoll – wie es scheint – bis zu dem Tag, als Ravel, der jüngere der beiden Brüder, eine grauenvolle Entdeckung macht.

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Hier sollte es also spannend werden, dachte ich. Und das wurde es auch. Allerdings auf eine andere Art als ich zunächst gedacht hatte. Irgendwie schwebte mir ein kurzweiliger Krimi vor Augen als ich das Buch das erste Mal zur Hand nahm, doch die Geschichte, die die australische Autorin Sonya Hartnett hier entwickelt hat, geht darüber weit hinaus. Sie schafft es, die Abgründe der menschlichen Seele deutlich zu machen, geht dabei bis zur Perversion. Ist es doch Indigo, der zunächst scheinbar „lebensfähigere“ Zwilling, der den Kontakt zur Außenwelt hält und im Keller fein säuberlich Ratten seziert. Ravel dagegen lebt vollkommen zurückgezogen, verlässt das Haus nicht mehr und vertraut sich ganz seinem Bruder an.

Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto deutlicher wird, dass mit Indigo etwas nicht stimmt. Seine kranke Seele nimmt ihn immer weiter in Besitz. Er verkennt mehr und mehr die Realitäten und versucht sogar, seinen eigenen Zwillingsbruder zu töten – er gibt ihm schlichtweg Rattengift ins Essen. Die Qualen, die Ravel ausstehen muss, sind fürchterlich.

Aber dieser versuchte Mord ist nicht das einzige Tötungsdelikt in diesem Haus. Irgendwann verschwanden die Eltern der Brüder spurlos von der Bildfläche. Was ist aus ihnen geworden? Die Frage, so viel sei verraten, bleibt offen. Aber die Vermutung, dass Indigo auch sie getötet hat, liegt nahe.

Das Buch ist beklemmend. Ja. Es zeigt zwei Menschen, die außerhalb der Gesellschaft leben. In einem Umfeld, dass von Zerstörung gekennzeichnet ist: ein verfallenes Haus, Ratten haben sich längst alle Etagen erobert. Damit korrespondiert die kaputte Seele eines der „Prinzen“: Ist er als Zwilling eins, ist er zwei, wo bleibt die eigene Identität bei einem Brüderpaar, dass so eng miteinander lebt? Wie ist es, wenn man stets den Spiegel vorgehalten bekommt, eins und doch nicht eins ist?

Das Buch wird lieben, wer selbst an einer zerrissenen Seele leidet. Wer dagegen „seichte“ literarische Kost bevorzugt, sollte die Finger von der Lektüre lassen. Denn eines fehlt dem Buch gänzlich: die positive Figur, mit der man sich als Leser identifizieren kann. Allerdings kann man Mitleid empfinden. Für Ravel, der fast gestorben wäre.

geschrieben am 28.07.2005 | 413 Wörter | 2206 Zeichen

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