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Das Spiel der Lüste


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Rezension von

Hiram Kümper

Das Spiel der Lüste Umwerfend neue Einsichten wird man keine in diesem Band finden. Über den Foucaultschen Machtbegriff beispielsweise, mit dessen Referat durch Mitherausgeber Jäger der Band beginnt (S. 11-75), liegt nun wirklich genug Literatur vor – die im Übrigen auch Jäger kaum erwähnt, geschweige denn diskutiert. In diesem Fall aber trägt das deutlich zu den Stärken seines Beitrages bei, der sehr eng an Foucault selbst entlang argumentiert. Das kann man übrigens im Wesentlichen auch für die anderen Beiträge des Bandes lobend hervorheben. Von einigen Ausflügen in die oft bildhaft aufgeladene Sprache des von ihm traktierten Intellektuellen abgesehen legt der Verfasser damit eine gut lesbare Hinführung zu einigen zentralen Begriffen vor. Die ebenfalls von Jäger im selber Band beigesteuerten Betrachtungen über „Foucaults Unterscheidung von sadistischer Disziplinarmacht und SM-Subkultur“ (S. 117-130) dagegen wirken streckenweise etwas ermüdend referierend – vor allem, weil die zentralen Bezugstexte, das Werk des Marquis de Sade nämlich, nur aus der Sicht Foucaults rezipiert werden. Hier hätte eine kritische Relektüre sicher auch zur Auseinandersetzung mit Foucault selbst beigetragen. In einem gegenüber den meisten anderen Beiträgen überraschend kurzen Statement behandelt Annette Schlemm die Konstitution des Subjekts (S. 77-82). Hier rückt also – ganz im Foucaultschen Sinne – die Macht etwas aus dem Zentrum der Betrachtung. Auch Schlemm arbeitet pointiert am Text, kommt jedoch im Grunde nicht über längst Bekanntes hinaus. Als Hinführung zum Thema mögen die klaren, knappen Formulieren aber allemal hilfreich sein. Auch Mitherausgeber Marvin Chlada fasst sich in seinem Referat der „Kritik des Wunschbegriffs“ kurz (S. 83-90). Er widmet sich, wie einige Seiten später dann auch Jäger (s. oben), der Foucaultschen Sade-Rezeption, vor allem aber der Aufnahme einiger zentraler Gedanken unter den Zeitgenossen, besonders Deleuze und Guattari. Dagegen ist Jürgen Mümkens Studie zum Verhältnis von Identität und Geschlecht bei Stirner und Foucault (S. 91-115) explizit vergleichend angelegt. Es geht also um den Vergleich einer „Ästhetik und einer Ethik des Selbst“ (Stirner) mit den „Techniken des Selbst“ (Foucault). Entwickelt wird dabei einer von vielen Möglichkeiten, „queer“ zu denken. Als besonders lesenswert empfand der Rezensent schließlich den letzten der insgesamt fünf Beiträge, in dem die Soziologin Andrea D. Bührmann zu einer „kritischen Ontologie moderner Subjektivierungsweisen im Anschluss an Foucault“ Stellung bezieht (S. 131-153). Sie kann dabei den besonderen Beitrag solcher Perspektivierung moderner Subjektivierungsweisen für eine Standortbestimmung der Zweiten Moderne herausarbeiten, der viele Anschlussstellen für weitere Überlegungen bietet. Da gibt es noch einiges weiterzudenken. Summa summarum: Ein engagierter Verlag hat da ein engagiertes Buch vorgelegt, das leider nicht immer den eigenen Anspruch erfüllen kann, am „utopischen Potential“ zu arbeiten, das das Foucaultsche Werk für eine immer wieder aufzurollende Neubestimmung von Sexualität, Identität und Macht bereit hält. Als Hinführung des im Vorwort angesprochenen interessierten Lesers „ohne größere Vorkenntnisse“ aber dürfte der Band in der Tat seinen Wert haben. Wichtig allerdings wird es sein, sich dabei kritische Distanz zu bewahren – denn streckenweise läuft der Band ein wenig Gefahr, intellektuelle Heldenverehrung zu betreiben.

Umwerfend neue Einsichten wird man keine in diesem Band finden. Über den Foucaultschen Machtbegriff beispielsweise, mit dessen Referat durch Mitherausgeber Jäger der Band beginnt (S. 11-75), liegt nun wirklich genug Literatur vor – die im Übrigen auch Jäger kaum erwähnt, geschweige denn diskutiert. In diesem Fall aber trägt das deutlich zu den Stärken seines Beitrages bei, der sehr eng an Foucault selbst entlang argumentiert. Das kann man übrigens im Wesentlichen auch für die anderen Beiträge des Bandes lobend hervorheben. Von einigen Ausflügen in die oft bildhaft aufgeladene Sprache des von ihm traktierten Intellektuellen abgesehen legt der Verfasser damit eine gut lesbare Hinführung zu einigen zentralen Begriffen vor. Die ebenfalls von Jäger im selber Band beigesteuerten Betrachtungen über „Foucaults Unterscheidung von sadistischer Disziplinarmacht und SM-Subkultur“ (S. 117-130) dagegen wirken streckenweise etwas ermüdend referierend – vor allem, weil die zentralen Bezugstexte, das Werk des Marquis de Sade nämlich, nur aus der Sicht Foucaults rezipiert werden. Hier hätte eine kritische Relektüre sicher auch zur Auseinandersetzung mit Foucault selbst beigetragen.

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In einem gegenüber den meisten anderen Beiträgen überraschend kurzen Statement behandelt Annette Schlemm die Konstitution des Subjekts (S. 77-82). Hier rückt also – ganz im Foucaultschen Sinne – die Macht etwas aus dem Zentrum der Betrachtung. Auch Schlemm arbeitet pointiert am Text, kommt jedoch im Grunde nicht über längst Bekanntes hinaus. Als Hinführung zum Thema mögen die klaren, knappen Formulieren aber allemal hilfreich sein.

Auch Mitherausgeber Marvin Chlada fasst sich in seinem Referat der „Kritik des Wunschbegriffs“ kurz (S. 83-90). Er widmet sich, wie einige Seiten später dann auch Jäger (s. oben), der Foucaultschen Sade-Rezeption, vor allem aber der Aufnahme einiger zentraler Gedanken unter den Zeitgenossen, besonders Deleuze und Guattari. Dagegen ist Jürgen Mümkens Studie zum Verhältnis von Identität und Geschlecht bei Stirner und Foucault (S. 91-115) explizit vergleichend angelegt. Es geht also um den Vergleich einer „Ästhetik und einer Ethik des Selbst“ (Stirner) mit den „Techniken des Selbst“ (Foucault). Entwickelt wird dabei einer von vielen Möglichkeiten, „queer“ zu denken.

Als besonders lesenswert empfand der Rezensent schließlich den letzten der insgesamt fünf Beiträge, in dem die Soziologin Andrea D. Bührmann zu einer „kritischen Ontologie moderner Subjektivierungsweisen im Anschluss an Foucault“ Stellung bezieht (S. 131-153). Sie kann dabei den besonderen Beitrag solcher Perspektivierung moderner Subjektivierungsweisen für eine Standortbestimmung der Zweiten Moderne herausarbeiten, der viele Anschlussstellen für weitere Überlegungen bietet. Da gibt es noch einiges weiterzudenken.

Summa summarum: Ein engagierter Verlag hat da ein engagiertes Buch vorgelegt, das leider nicht immer den eigenen Anspruch erfüllen kann, am „utopischen Potential“ zu arbeiten, das das Foucaultsche Werk für eine immer wieder aufzurollende Neubestimmung von Sexualität, Identität und Macht bereit hält. Als Hinführung des im Vorwort angesprochenen interessierten Lesers „ohne größere Vorkenntnisse“ aber dürfte der Band in der Tat seinen Wert haben. Wichtig allerdings wird es sein, sich dabei kritische Distanz zu bewahren – denn streckenweise läuft der Band ein wenig Gefahr, intellektuelle Heldenverehrung zu betreiben.

geschrieben am 13.07.2009 | 477 Wörter | 2955 Zeichen

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